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…ist es wie mit einem alten Freund unterwegs zu sein. Er plaudert über Ausrüstung, geologische, historische und literarische Besonderheiten – meist in Zusammenhang zur Region. Oder auch einfach über Dinge ohne viel Belang. Genaue Recherchen, exakte Schilderungen der Wege, keine falschen Versprechen, absolut ehrliche Bewertungen und vor allem große persönliche Abenteuerlust:

Diese sympathische Mischung machte Manuel Andrack, der mit der >>Harald-Schmidt-Show<< TV-Bekanntheit erlangt hat, zum Vorreiter einer neuen Bewegung und zum Wanderpapst unter Amateuren und Profis. Seine Bücher wurden schnell zu Klassikern der Wanderliteratur, allein >>Du musst wandern<< hat über 100.000 Leser begeistert. andrackeinl2Ein Muss für jeden Wanderfan. Sebastian Bär – selbst passionierter Hobby-Wanderer – hat von seinen Empfehlungen entlang des Weges profitiert, wollte Manuel aber selbst mal einen Tipp geben, und empfahl ihm die BÄR-Schuhe. „Der Hammmer!“, war Manuels erster, begeisterter Kommentar am Telefon zu Sebastian, nachdem er das Modell Arnstein am Wochenende getestet hatte und gleich am Montag in der Bär-Zentrale in Bietigheim anrief.
So wandert der Wanderpapst jetzt in Bär…und bloggt darüber. Ein Mal pro Monat schreibt Manuel Andrack hier über seine persönlichen Highlights unterwegs in BÄR.

Jedes Mal ein einmaliges Erlebnis, das durch Andracks Geheimtipps bereichert wird.

Viel Spaß!

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2017, Eintrag

Schengen grenzenlos – April 2017

Meine Bär-Schuhe sind ziemlich international aufgestellt. Allein in den letzten Monaten sind sie in England, Mazedonien, Norwegen, Frankreich, Holland und im Saarland unterwegs gewesen. Wandern ohne Grenzen, Wandern in vielen europäischen Ländern. Da liegt es nah, sich mal einen total grenzenlosen Wanderweg vorzunehmen. img_5303Wo könnte man schöner grenzenlos Wandern als in dem Ort, der wie kein anderer für das vereinte Europa steht: Schengen an der Obermosel, seit den berühmten Abkommen von 1985, 1990 und 1995 der Inbegriff für die Europäische Union. Wenn man an der Schengener Tourist-Information am Ufer der Moselle steht, kann man sich nicht vorstellen, dass ein klar denkender Mensch gegen diese EU sein könnte. Aber wie es Täler und Berge gibt, so scheint es politische Wellenbewegungen zu geben: Mal für mehr, mal für weniger Internationalismus, Völker hört die Signale!           img_4853Aber muss man wegen der EU-Kritik unbedingt wie in der Schengener Tourist-Information die EU-Flagge in die Tonne kloppen? Kinder, so geht das aber nicht!

Die grenzenlose Traumschleife von Perl ist nicht lang, 7,7 Kilometer inklusive dem Zuweg ab der Mosel, aber es sind ein paar gemeine Steilstücke darunter. Gute Kondition ist am Dreiländereck gefordert. Und dass die Region nicht immer grenzenlos war, kann man an einem alten Grenzstein erkennen, der die Grenze von L-iechtenstein markiert.img_5291Ach nein, Quatsch, das war ja das andere Steuerparadies mit „L“. Wir wandern natürlich von Luxemburg rein nach Frankreich, wahrhaftig grenzenlos. Hoffen wir, dass das auch nach der französischen Präsidentenwahl so bleibt. Im Fall eines Wahlsiegs könnte ja Madamm Lö Päng eine Mauer rund um die Grong Nation ziehen – und dann ist Feierabend mit „sans frontières“.

Wir wandern also auf französischem und luxemburgischem Staatsgebiet, Deutschland liegt auf der anderen Moselseite. img_5290Beim Blick auf das wunderschöne Perl kann man allerdings verstehen, warum dieser Ort die am stärksten wachsende Gemeinde im Saarland ist. Oder könnte es daran liegen, dass die Immobilienpreise doch ein klein wenig günstiger als im Herzogtum sind? Tanken in Luxemburg, wohnen in Perl, das scheint die – Achtung Wortspiel – DEVISE zu sein. Dass allerdings kein Luxemburger auf der französischen Seite wohnen will, ist auch klar.img_5302Denn wenn man genau hinschaut, sieht man auf der Traumschleifen-Wanderung die vier fröhlich rauchenden Kühltürme der VIER Atomreaktorblöcke von Cattenom. Die Saarländer schauen immer nach, ob auch alle vier Türme schmauchen. Mal nachzählen: Eins, zwei, drei … Huch! Nach der Wanderung erfahre ich im Netz, dass es einen Tag vor meiner Wanderung eine der fast täglichen Zwischenfälle gegeben hat. Ein Block wurde ausgeschaltet, weil es ein kleines Feuer gegeben hat. Oh, la, la, pas de problème! Schulterzucken auf Französisch, deshalb hat man doch VIER Reaktoren, damit ein bis drei auch ruhig mal ausfallen können.

Ohne größere Strahlenbelastung kehre ich zurück zum Moselufer und gönne mir noch einen Riesling von der luxemburgischen Obermosel.img_5305Die Zukunft der EU wird in Schengen durch drei kommunizierende Röhren mit sehr sehr vielen Sternen symbolisiert. Und da die meisten der unzähligen Sterne rot leuchten, gehe ich davon aus, dass der Beitritt von Russland in die EU unmittelbar bevorsteht. Dann kann man demnächst bis zum Pazifik grenzenlos wandern.

2017, Eintrag

Mit meinen Bär-Schuhen in Norwegen – März 2017

Wanderer, kommst Du nach Norwegen, musst du auf den Preikestolen wandern. Dieser Fels ist wie kein anderer Fels auf der Welt, die Felskante stürzt steil 604 Meter hinab bis zur Wasseroberfläche des Lysefjord. Der Preikestolen, zu deutsch Predigtstuhl, ist allerdings kein Geheimtipp. Es gibt wahrscheinlich keinen Norweger, der nicht zu diesem Felsen an der Westküste Norwegens gewandert ist. Und man MUSS wandern. Genau 4.000 Meter hinauf zu dem großen Stein. Denn es fährt keine Seilbahn und keine Zahnradbahn zu diesem Felsen, der Anstieg ist sogar durchaus anspruchsvoll.                                                     img_4966Da ergibt es sich zwangsläufig, dass man andere Wanderer überholt. Ich hatte das Gefühl, die ganze Welt war auf den Beinen, um den Preikestolen zu erklimmen. Ich habe Menschen aus allen Herren Ländern gesehen, mit hochroten Köpfen – wegen der Anstrengung. Russen, Engländer, Holländer, Deutsche, Schweizer, Tschechen, Amerikaner, Asiaten. Und natürlich Norweger. Die Frage ist natürlich, warum ich relativ schnell auf dem sehr anspruchsvollen Weg unterwegs sein konnte. Ihr werdet es schon geahnt haben: Mein exzellentes Schuhwerk hat mir wahrhaft Flügel verliehen.  img_4969Denn der Weguntergrund war alles andere als einfach. Normale Waldwege und Bohlenwege gab es auch. Aber die meiste Zeit ging es über Felsbrocken, die man als eine Art Treppe nutzen konnte oder über gigantische, flache Felsplatten. Dazu ab und zu ein glasklarer Gebirgssee und immer wieder Aussichten zum Niederknien. Nicht umsonst haben auch die Beatles dereinst der norwegischen Flora mit „Norwegian Wood“ einen eigenen Song gewidmet. Die Ausschilderung des Weges hinauf zum Preikestolen ist mehr als perfekt.img_4981Immer wieder gibt es Info-Tafeln, die anzeigen, wie weit man schon gekommen ist. Es gibt vier größere Anstiege hinauf zum norwegischen Super-Felsen, wobei der dritte Anstieg, ein sehr steiles alpines Stück, schon ein regelrechter Scharfrichter ist. Als zusätzlichen Service hat man Hinweispfähle in den Boden gerammt, die auf 50 Meter genau anzeigen, was man schon geschafft hat, und wie weit man noch zu laufen hat.                                              img_4977Und ich muss sagen, dieser Markierungs-Service hat bei mir regelrechte Glücksgefühle ausgelöst. Hilfreich waren die Pfähle vor allem, als das Schlimmste überstanden war (der dritte Anstieg!): 1.050 Meter, 700 Meter, 450 Meter, 200 Meter. Das war ein tolles, ein erhebendes Gefühl, Wanderglück pur.                                                                                                        img_4997Dann also auf dem Fels-Giganten. Schnell wollte ich ein Ich-war-auf-dem-Preikestolen-Beweisfoto haben und drückte meine Kamera einer Amerikanerin in die Hand. Dabei habe ich der Fotografin ganz klare Anweisungen gegeben. „Do you have also the shoes in the sucher?“ Ja, hatte sie, sehr fein gemacht. Und dann? Wie vertreibt man sich denn die Zeit auf dem norwegischen Super-Felsen?img_5000Man könnte ja ein Picknick an der Felskante machen, so wie es viele asiatische Familien praktiziert haben. Problem 1: ich hatte nichts zu essen dabei. Problem 2: Alleine Picknicken macht einsam. Problem 3: Ich wollte bloß weg vom Preikestolen. Warum? Weil ich Höhenangst habe, schreckliche Höhenangst. Und ich kann nicht verstehen, warum ein so reiches Land wie Norwegen es nicht schafft, ein stabiles Geländer an die Felskante zu bauen.img_5002Das Problem ist nämlich, dass sich meine Höhenangst auch auf andere Menschen bezieht. Wenn ich also sehe, wie an der Felskante junge Menschen für ein lausiges Smartphone-Foto an der Felskante herum turnen, wird mir blümerant. Da könnte doch ein Windstoß kommen, und die runter fegen. Oder es gibt Blitzeis und sie stürzen ab. Oder da liegt ne Bananenschale rum, die eine asiatische Familie bei ihrem Picknick vergessen hat, und sie stürzen 604 Meter in die Tiefe…

So schnell ich konnte, trugen mich meine BÄR-Schuhe wieder zurück zum Ausgangspunkt. Und auf dem Wanderweg fühlte ich mich auch wieder sicher.

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Meine Bär Schuhe unterwegs in … Cornwall – Februar 2017

Ich bin mal wieder in der großen weiten Welt gewandert: In Cornwall. Bitte verschont mich mit Eurer ersten Assoziation zu Cornwall: Ah, Du bist also Rosamunde-Pilcher-Fan. NEIN! Obwohl ich gar nichts für oder gegen diese Frau und ihre Bücher/Filme habe. Ich kenne sie einfach nicht. Für mich als Literaturliebhaber ist Cornwall vielmehr das Daphne-Du-Maurier-Land. Rebecca! Die Vögel! Jamaica Inn! Wilde Klippen, tiefe Gefühle, raue See. Und genau dort wollten meine Bär-Schuhe wandern.dscf1365Mein erstes Wanderlebnis in Großbritannien hatte ich in Schottland. Die Geschichte ist in den Gesammelten Wanderabenteuern beschrieben. Viele schwärmen von den Highlands, ich finde es da eher öde. Lieber Hunsrück als Highlands. Aber in Cornwall an der Südküste auf dem Coast Path zu wandern, das ist auf jeden Fall ganz großes Wanderkino.dscf1364Schmale Pfade, naturbelassen, manchmal mit Gras-Untergrund. Schon die pure Wegequalität der alten Schmuggler-Pfade ist absolut premiumwürdig. Was aber (zum Beispiel) der Hunsrück nicht zu bieten hat sind diese Blicke auf’s Meer, auf Buchten, auf Felsen, auf Brandung, auf kuschelige Piratenstädtchen. Natürlich muss man immer mal wieder – vor allem wenn man quasi ein See-BÄR ist – den Blick zum Horizont schweifen lassen.dscf1366Denn mit dem Auftauchen der spanischen Armada ist an den Gestaden England jederzeit zu rechnen. Und auch den Franzosen ist nicht zu trauen, wie überhaupt diesen ganzen Festlandvölkern, die sich zur EU zusammen-geschlossen haben. Dass der politische Kampf um den Brexit auch auf den britischen Wanderwegen angekommen ist, kann man unschwer an einer Tafel erkennen, die die Geldgeber des Landschaftsschutzes am Coast Path würdigt.dscf1362Tja, da hat wahrscheinlich Boris Johnson himself wütend die EU-Flagge ausgekratzt. Aber nur mal zur Info, liebe Brexiteers: Die EU, also wir alle, haben diesen wunderschönen Weg mitfinanziert und das ist auch gut so. Aber diesen Fakt macht man nicht ungeschehen, indem man mit dem Hausschlüssel EU-Fahnen unkenntlich machen will. Außer man ist entweder geistig nicht zurechnungsfähig oder extrem infantil. Oder man hat den Tunnelblick.dscf1374Klar, diesen Tunnelblick kann man auch auf dem Weg von Looe nach Polperro bekommen, weil wie auf einem Gemälde von Caspar David Friedrich die Gewächse am Wegesrand eine romantische Laube bilden.

Ich erwähnte schon, dass sich Daphne du Maurier in ihren Büchern literarisch an der Küste von Cornwall abgearbeitet hat. Aber bei meinen Wanderungen auf dem Coast Path musste ich auch immer wieder an die literarischen Meisterwerke einer anderen englischen Autorin denken.dscf1392Diese einsamen unbewohnten Inseln. Die Schmuggler-Höhlen. Die schroffen Strände. Ich musste sofort an das „Geheimnis um ein blaues Boot“ denken. An die Insel der Abenteuer. An fünf Freunde und die Felseninsel. An fünf Freunde auf Schmugglerjagd. Von wegen Rosamunde-Pilcher-Land, Cornwall ist Enid-Blyton-Country. Und der Blick auf das dunkle Eiland erinnerte mich auch ein klein wenig an Tim und Struppi und die schwarze Insel. Aber das ist natürlich Quatsch, denn diese Geschichte spielt nun nachweislich in Schottland und nicht in Cornwall.

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Die Bären und die Wölfe – Januar 2017

Der Wolf hat ja nicht das beste Image. Er gilt traditionell als „böse“, nachfragen kann man da bei Rotkäppchen, der Großmutter und den sieben Geißlein. Nun haben uns in den letzten Jahren Wolfsforscher erzählt, die Legende vom bösen Wolf wäre falsch, der würde sich gar nicht für Menschen interessieren, nur als Schaf oder Huhn sollte man sich ein wenig vor dem Isegrim in Acht nehmen. Aber für den Menschen, so die Wolfs-Experten, bestünde keine Gefahr. Das sei komplett falsch, las ich letztes Jahr mit Erstaunen in einer Qualitätszeitung. Weltweit seien etliche Fälle auch in der Neuzeit dokumentiert, in der Wölfe Menschen angegriffen hätten? Ja was denn nun?

Als Top-Rechercheur habe ich mich umgeschaut in Deutschlands Paradies der Wölfe, dem Wolfspark bei Merzig, um zu schauen, wir er ist denn so drauf, der Kollege Wolf. img_4019In Merzig sind in weitläufigen Gehegen Dutzende Wölfe untergebracht, Mongolische Wölfe, schwedische Wölfe und weiße Polarwölfe. Die putzigen Kerlchen hören (unter anderem) auf die Namen Wilhelm, Otto, Annegret. Zwei deutsche Kaiser und eine saarländische Ministerpräsidentin. Wenn man an den Gehegen entlang geht, kann es schnell passieren, dass das ganze Rudel anfängt zu heulen, und dann antwortet ein anderes Rudel heulend aus etlichen hundert Meter Entfernung und dann ist man doch froh, dass die Gitter an den Gehegen relativ stabil zu sein scheinen. Der Wanderer kann sich das saarländische Wolfsland auf der Traumschleife Wolfsweg erwandern, der direkt auf dem Geländen des Wolfsparks (Eintritt ist übrigens frei) beginnt.img_4027Der Wolfsweg ist natürlich, wie alle Traumschleifen, ein Rundweg. So ein Rundweg hat normalerweise die Formen rund, oval oder Schmetterling. Der Wolfsweg ist anders, der Wegverlauf ist ungewöhnlich, eher schlauchartig, wie eine schmale Wolfsfährte sind Hin- und Rückweg oft nur wenige Meter entfernt, man kann durchaus sehen, wo man vor kurzem noch entlang gegangen ist. Liebevoll wird das Thema Wolf auch bei den Sitzmöbeln des Wegs bespielt.img_4026Nun gut, die Bank war bei meiner Begehung etwas zu nass, um sich bequem dort nieder zu lassen. Aber es ist doch immer beruhigend, sich von Wölfen eskortieren zu lassen. Und auf so einer Bank kann man ja auch schön darüber sinnieren, vielleicht ja auch bei einem Sinnierbier, welche Gemeinsamkeiten Wölfe und Bären haben. Beide Tierarten sind starke Säugetiere, sie können sich auf vier Beinen wesentlich schneller vorwärts bewegen als Menschen auf zwei. Wölfe UND Bären sind nicht ungefährlich, beide leben gerne in Rudeln bzw. Familien. Und vor allem: Die Fußabdrücke von Wolf und Bär ähneln sich doch ziemlich. Wolfstatzen und Bärentatzen sind auf den ersten Blick nur sehr schwer zu unterscheiden. Den Beweis seht Ihr hier:
img_4029Rechts eine Bärentatze, klar, die habe ich mit meinen Bär-Schuhen hinterlassen. Und links ganz eindeutig eine Wolfsspur. Da staunt doch der Laie und der Fachmann wundert sich.

Zum Ende der Tour bin ich wieder im Wolfspark angekommen, die Traumschleife geht durch das Tal der weißen Wölfe. Diese putzigen Kerlchen sehen wirklich so aus, als seien sie mit Perwoll gewaschen, schneeweiß Hilfsbegriff.
img_4023Man sollte mal an einem ersten Sonntag im Monat in den Wolfspark fahren. Dann werden die weißen Wölfe von Wärtern umschmust und man bekommt eine Live-Fütterung zu sehen. Man wundert sich immer, dass die menschlichen Wolfs-Betreuer lebend aus den Gehegen heraus kommen. Auf jeden Fall ist der Wolfspark bei Merzig eine wunderbare Geschichte und der Wolfsweg auch. Vielleicht ist es mal eine Idee für Sebastian und Christof Bär, einen Bärenpark bei Bietigheim-Bissingen anzulegen. Dann könnte man das mit den Bärenspuren und den Wolfsspuren mal so richtig klären.

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Meine BÄR-Schuhe wandern in den Niederlanden – Dezember 2016

Wenn man erzählt, man sei in den Niederlanden gewandert, kommen die immer gleichen mitleidigen Blicken. Holland? Da gibt es doch nur Tulpen, Grachten und Käse. Alles flach, wo soll man denn da wandern? Womöglich noch mit Holzschuhen? Natürlich nicht, ich bin selbstverständlich mit meinen Qualitäts-Schuhen aus Bietigheim-Bissingen unterwegs gewesen. Und ja, es gibt tatsächlich etliche Ecken von Holland, an denen man schön wandern kann. Heute möchte ich Euch eine echte Perle vorstellen. Das Meinvennen. Dort, wo echt die Heide blüht.

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Analog zu einer antiken Deo-Reklame könnet man jetzt sagen: Mein Venn, Dein Venn, das Venn ist für uns alle da. Interessanterweise kann man den Namen „Mein“ von einer Allemende herleiten, es müsste also eigentlich eher „Unservennen“ heißen. Dass wir in Holland wandern erkennt man leicht daran, dass fleißig auf einen Fietspfad hingewiesen wird.

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Nun ist ja allen Freunden des Hollandrads bekannt, dass ein Fietspfad kein Fußpfad ist, sondern ein Weg für die Fietsen, die Fahrräder, das nationale Fortbewegungsmittel Nummer Eins im Land von Oranje und Kaas. Sehr überraschend ist allerdings, dass tatsächlich der schmale Pfad (rechts im Bild) den Fahrradfahrern vorbehalten ist, wogegen der breite Weg die Wanderer beglücken soll. Hm.

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Schon sehr merkwürdig. Vielleicht ist eine Erklärung, dass es sehr viele holländische Kampfwanderer gibt. Die lieben es, 40, 50, 60 Kilometer am Stück zu gehen, immer aufm Deich lang. Landschaftliche Schönheiten? Egal! Hauptsache Meter machen. Für diese ganz besondere Spezies sind natürlich die breiten Wege ideal. Aber keine Angst, man kann im Meinvennen auch auf schmalen Pfaden wandeln. Und auf sehr sandigen Wegen

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Meine Arnsteins haben sich gefreut, mal wieder eine Art Strandfeeling genießen zu können, wobei man sagen muss, dass doch das Sandwandern zu den anstrengendsten Übungen des Wandersports gehört. Vergleichbare Strapazen kann man nur auf alpinen Wegen erleben. Der flache niederländische Sandweg ist also sozusagen der kleine, flache Bruder der felsigen Gratwanderung.

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Quer durch das Mein Venn mäandert der Buschbach. Dieser Bach ist nicht irgendein Bach, sondern irgendwie verwandt mit Rhein, Donau, Inn und Oder. Denn der Buschbach ist ein veritabler Grenzfluss. Nur fällt eine im Wortsinne grenzüberschreitende Aktion bei Rhein und Oder ein klein wenig schwerer. Mit dem rechten Bein in den Niederlanden, mit dem linken in Deutschland, das ist gelebte Völkerverständigung im Spreizschritt.

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Wer kennt noch den berühmten Bundesliga-Schiedsrichter Peter Gagelmann? Im Meinvennen bin ich auf jeden Fall auch zum Gagelmann geworden. Denn der Gagel, ein wohlriechendes Heidekraut, das ich auf dem Foto so liebevoll umarme, kann man auch hervorragend zum Bierbrauen gebrauchen. Als Hopfenersatz. Jetzt schreit natürlich der deutsche Brau-Reinheits-Freak laut auf. Aber man sollte den Stoff, das Gagelbier, mal trinken. Eine absolute Sensation. Da wird jeder Bierliebhaber zum Gagelmann!

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Meine BÄR-Schuhe wandern in Baerenthal – November 2016

Meine Bär-Schuhe sind sehr international aufgestellt, wie man so schön sagt. Und meine Wander-Treter freuen sich besonders, wenn Sie an Orten wandern dürfen, die schon vom Namen her einen gewissen Bären-Anteil versprechen. In den nördlichen Vogesen findet sich, eingerahmt von einer imposanten Waldlandschaft, der kleine Ort Bärenthal. Oder vielmehr Baerenthal, denn das Französische kennt ja den Umlaut „Ä“ nicht, das sieht in französischen Augen genauso exotisch aus wie für uns das dänische „Ø“ in SMØREBRØD.

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Vor dem Ortsschild von Baerenthal hat sich mein Arnstein selbstständig gemacht und freut sich schon auf die kurze Wanderung im Département 67, dem Département Bas-Rhin. Das ist schon lustig, dass die Nordvogesen von Frankreich aus gesehen der Niederrhein sind. Wobei es in Baerenthal etwas anders aussieht als in Viersen, Hückelhoven und Mönchengladbach.

Weltberühmt in Baerenthal sind die „Ruines Ramstein“. Ein Ramstein, dass man nicht mit der amerikanischen Airbase Ramstein bei Kaiserslautern verwechseln sollte. Und erst recht nicht mit den Krach-Rockern von Rammstein. Der Name „Ramstein“ stammt übrigens wahrscheinlich von „Raben-Stein“, damit sind die Raben gemeint, die den Bären aus dem Baerenthal den Pelz gelaust haben.

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Interessant an dem Ruinen von Ramstein Schild ist ja auch, dass auf den „Col du petit Dunkeltal“ hingewiesen wird. „Col du petit Dunkeltal“. Das hört sich nach schwerer Bergetappe bei der Tour de France an. Ich finde auf jeden Fall die Mischung aus deutschem Originalnamen und französischer Sprachbesetzung herrlich. Aber ich wollte ja die Ruines Ramstein besichtigen. Und ich wandere und wandere, und sehe viel Wald, und ich sehe viele Felsen, aber was ich nicht sehe, das sind die Ruinen von Ramstein. Komplette Fehlanzeige. Möglichkeit Eins: Die Ruinen werden nach Bedarf in den Wald gestellt. Wochentags werden die abgebaut. Möglichkeit zwei: Die Bewohner von Baerenthal haben die Ruinen längst als Steinbruch entdeckt und ihre Häuser verschönert. Möglichkeit drei: Ich bin mit Blindheit geschlagen.

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Oder, quasi Möglichkeit vier: Vielleicht habe ich ja keine Augen für steinerne Ruinen, wenn man auf so schönen Wegen wandern darf. Wobei die Wege der Vogesen landschaftliche Ähnlichkeiten zu den Wegen der Pfalz aufweisen. Logisch, ist ja auch geographisch gesehen eine Einheit. Und meine Schuhe fühlen sich wohl auf diesen Wegen.

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Können diese meine Wanderschuhe doch auf flauschig weichem Weguntergrund wandeln, einem rot-sandigen Untergrund mit diesen Dingsen von der Kiefer. Ich wollte schreiben „Kiefernnadeln“ aber das ist natürlich Quatsch. Das sind doch keine Nadeln. Muss ich jetzt mal googeln. Okay gegoogelt, es handelt sich natürlich um Kieferzapfen, klar, Zapfen, wie BIER ZAPFEN, das lag mir doch auf der Zunge.

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Hatte ich schon erwähnt, dass ich meine Baerenthal-Tour bei höchstsommerlichen Temperaturen unternommen habe? 35 Grad im Schatten, da ist man froh über jede Menge Schatten. Oder den Badesee von Baerenthal. Erfrischung für den erhitzten Körper. Meine Schuhe waren etwas traurig, dass sie nicht mitkommen durften. Aber sie haben mir beim Baden zugeschaut und auf meinen Rucksack aufgepasst. Wandern + Baden, eine phantastische Kombination: Auf nach Baerenthal!

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2016, Eintrag

Mit meinen BÄR-Schuhen in London – Oktober 2016

Ein Bärxit, ein Ausstieg der Wanderwelt aus den guten BÄR-Schuhen ist natürlich unvorstellbar. Aber natürlich hatte ich gelesen, dass die Briten –  schon traditionell von allen guten Geistern verlassen (Stichworte Linksverkehr + Frühstückssitten + Steckdosen) tatsächlich am Tag meines 51. Geburtstags für den Bräxit gestimmt hatten. Das war so unglaublich, dass ich beschloss, meinen Sommerurlaub in England zu verbringen.

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Da ich mich relativ spät um eine angemessene Herberge in London bemüht hatte, bekam ich einen, nun ja, relativ dürftigen Schlafplatz zugewiesen. Man hatte mich bei einer Familie einquartiert, die hießen Bearsley oder so. Nicht sehr freundlich, vor allem der dicke Junge der Bearsleys ging mir kolossal auf die Nerven. Ich war im Gästezimmer der Familie unter der Treppe untergebracht worden. Dort war es gar nicht so schlecht, ich habe meistens manchmal relativ hervorragend geschlafen.

Falls jemand auch dieses Gästezimmer buchen möchte, da sollte man mal B’är’nB nachschauen, in London-Tooting …

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… die Adresse des Bearsleys ist Backpacker Street 221 B, das Haus ist nicht zu verfehlen. Ich habe lustigerweise bei meinen Streifzügen durch London eine ähnliche Adresse gefunden. Weil ein englischer Ordnungshüter die Tür bewacht und viele Menschen sich vor dem Hauseingang drängelten, gehe ich davon aus, dass es sich um den Regierungssitz der britischen Ministerpräsidentin handelt.

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Kreuz und quer bin ich durch London gefahren, meistens mit der Underground-Bahn. Die schüttelt einen schön durch und die Luft ist so stickig, dass ich immer froh war, wenn ich aussteigen konnte. Oft habe ich den Meisterdetektiv James in der nach ihm benannten Bond Street besucht. 007 war ein wenig melancholisch gestimmt, denn seine zukünftigen Ermittlungen und amourösen Abenteuern an den schönsten und elegantesten Lokationen wie St. Moritz, Venedig, Prag und der Côte d’Azur werden sich nach dem Brexit in Zukunft wohl deutlich schwieriger gestalten.

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Das wird echt peinlich für Herrn 007, wenn er bei der Einreise in diese europäischen Länder immer nach seinem Visum kramen muss.

Jetzt mal zu etwas komplett anderem: Ganz ohne Schuhe ist übrigens auch Paul McCartney über den Zebrastreifen der Abbey Road gegangen. Ich habe die Gelegenheit ergriffen, dieses berühmteste Wander-Foto aller Zeiten nachzustellen. Natürlich bin ich in meinen Arnsteins über die Straße an den Abbey Road Studios gegangen. Ich bin davon überzeugt: Hätten die Beatles schon BÄR-Schuhe gekannt, hätten die Jungs aus Liverpool sich niemals getrennt.

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